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Marktplatz - Deutsche Sprache in der Wirtschaft
Sendemanuskript
Folge 20:
Abwasserwirtschaft
Thema:
Abwasserwirtschaft
Autor:
Karsten Seibel
Redaktion:
Thomas Kirschning
Die Personen:
Herr Busch
Bürgermeister
Frau Müller-Ohm
Sekretärin von Herrn Busch
Herr Weinke
Klärmeister
Herr Meckel,
Vertreter von Messer-Griesheim
Sprecherin
Sprecher
Im O-Ton
Sigurd van Riesen, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Abwasser-
und Abfallwirtschaft:
Silke Römer, Marketingleiterin, Bereich Umwelttechnik bei Messer.-
Griesheim
Müller-Ohm:
Guten Tag, hier Müller-Ohm, Vorzimmer Bürgermeister Busch.
Weinke:
Guten Tag, Frau Müller-Ohm, hier ist Weinke von der Kläranlage. Ich hätte gern Herrn
Busch gesprochen.
Müller-Ohm:
Ach, unser Klärmeister! Herr Weinke, das ist jetzt aber ganz schlecht. Der Bürgermeister
bereitet gerade die Ratssitzung vor. Worum geht es denn?
Weinke:
Ich muß unbedingt mit ihm über die Kläranlage sprechen. Da gibt's ernsthafte Probleme.
Müller-Ohm:
Na gut, dann versuch' ich 'mal, Sie durchzustellen.
Busch:
Ja, hallo Herr Weinke, was gibt's denn so Dringendes?
Weinke:
Tut mir leid, Herr Bürgermeister, dass ich störe, aber der Ernstfall ist jetzt eingetreten. Das
hat sich ja schon länger abgezeichnet: Wir werden mit den Abwassermengen einfach nicht
mehr fertig. Das Wasser wird nicht mehr richtig sauber. In den letzten Tagen haben wir
immer wieder die gesetzlichen Grenzwerte überschritten. Und wenn das so weitergeht,
kriegen wir richtig Ärger. Wir brauchen dringend eine Kapazitätserweiterung, Herr Busch,
eine größere Kläranlage, da führt jetzt kein Weg mehr dran vorbei.
Busch:
Eine neue Kläranlage, tja, - das sagt sich so leicht dahin. Sie wissen ja selbst, was das kostet.
Weinke:
Natürlich weiß ich das. Ich habe Sie ja schon mehrfach auf die sich abzeichnende
Entwicklung hingewiesen. Aber die Gesetze lassen uns keine Wahl, wir müssen etwas tun.
Es ist höchste Zeit!
Busch:
Ja, verstehe. Okay, am besten setzen wir uns so schnell wie möglich zusammen. Moment,
morgen ist schlecht. Wie wäre es am Donnerstag, zehn Uhr, bei mir im Rathaus?
Weinke:
Gut. Donnerstag zehn Uhr in Ihrem Büro.
Busch:
Bis dann, Herr Weinke.
Weinke:
Auf Wiedersehen, Herr Bürgermeister.
Sprecherin:
Gut zwei Drittel der Erde sind von Ozeanen bedeckt, dazu kommen noch die
Binnengewässer - die Bäche, Flüsse und Seen. Kurzum, es gibt Unmengen von Wasser auf
der Erde. Und das ist gut so. Denn ohne Wasser kein Leben. Alle Lebewesen, ob Pflanzen,
Tiere oder Menschen, brauchen das Naturelement Wasser für ihre Existenz. Sauberes
Wasser, versteht sich. Und hier beginnt das Problem: Jahrhundertelang haben die
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Menschen verschmutztes Wasser - sogenanntes Abwasser - einfach in der Erde versickern
lassen oder in das nächste Gewässer geleitet. Die Bakterien und Algen, die in diesen
Gewässern leben, bauten die Schmutzstoffe mit Hilfe von Sauerstoff ab. Doch heute gibt es
so große Mengen an Abwasser, dass die Selbstreinigungskraft der Natur längst nicht mehr
ausreicht.
Sprecher:
Täglich fallen in Deutschland 20 Millionen Kubikmeter Abwasser an, in privaten
Haushalten, Gewerbebetrieben und vor allem in der Industrie. Jeder Deutsche produziert
pro Tag zu Hause durchschnittlich 130 Liter Abwasser, wenn er sein Geschirr spült, wenn er
duscht oder badet, wenn er seine Hemden wäscht oder seinen Fußboden wischt und
natürlich auch, wenn er auf die Toilette geht.
Zu den privaten Haushalten kommt die Industrie. Sie braucht Wasser für die Produktion -
und verschmutzt es dabei. Um ein Kilogramm Stahl herzustellen, werden 25 Liter benötigt,
für ein Kilogramm Kunststoff 500 Liter, und bis ein Kilogramm Papier ins
Schreibwarengeschäft geliefert werden kann, werden sogar 1.000 Liter Wasser verbraucht.
Sprecherin:
20 Millionen Kubikmeter Abwasser pro Tag allein in Deutschland - eine unvorstellbare
Menge. Wenn diese Menge einfach in die Flüsse, Seen und Meere eingeleitet würde, dann
reichte der Sauerstoff im Wasser nicht mehr aus, um das Abwasser zu reinigen. Die Folge:
Die Lebewesen, Bakterien, Algen und Fische, würden sterben und der natürliche
Wasserkreislauf bräche zusammen.
Sprecher:
Hier können nur noch Kläranlagen helfen. In diesen Anlagen wird das Abwasser gesäubert.
Die ersten Kläranlagen wurden schon Mitte des 19.Jahrhunderts gebaut, als in Deutschland
die Industrialisierung begann. Die Kanäle, durch die das Abwasser in die Kläranlagen fließt,
wurden immer weiter ausgebaut. Heute sind die deutschen Kanalnetze fast 400.000
Kilometer lang. Das entspricht ungefähr der Entfernung von der Erde zum Mond.
Mehr als 10.000 Kläranlagen gibt es in Deutschland. Nicht alle werden öffentlich, also von
Städten oder Gemeinden, betrieben. Große Industrieunternehmen haben oft ihre eigenen
Anlagen. Die meisten privaten Haushalte aber sind an die öffentliche Kanalisation
angeschlossen. Um die Reinigung dieses Abwassers kümmern sich die Kommunen. Viele
Kommunen haben sich zusammengeschlossen, um in einer Gemeinschaftsanlage größere
Mengen Abwasser wirkungsvoller und zudem preiswerter behandeln zu können.
Sprecherin:
In Kläranlagen sind mehrere Reinigungsschritte notwendig, bis das Wasser ohne Bedenken
in Flüsse und Seen geleitet werden kann. Eine Kläranlage hat daher mehrere Becken. Das
erste Becken dient der mechanischen Reinigung. Hier entfernen große Rechen alle festen
Stoffe, seien es Toilettenpapier, Essensreste oder Zigarettenkippen. Sand, der sich am
Beckenboden festsetzt, wird von einem riesigen Staubsauger herausgesaugt. Nicht so leicht
einzufangen sind die Stoffe, die sich bereits im Wasser gelöst haben, wie zum Beispiel Öle
und andere organische Verbindungen, etwa die Fäkalien von Mensch und Tier. Hier helfen
nur Bakterien und andere Mikroorganismen. Im zweiten Becken der Kläranlage, dem
Belebungsbecken, gibt es daher viele Millionen dieser Kleinstlebewesen, die den Schmutz
fressen. Dafür brauchen sie viel Sauerstoff, der in das Becken eingeleitet wird. Das letzte
Becken ist das Nachklärbecken. Hier wird das gereinigte Abwasser vom Schlamm getrennt
und schließlich in die Gewässer geleitet.
Musik, Wasserplätschern
Busch:
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Ja bitte, herein!
Ah, da kommt ja der Herr der Abwässer. Guten Tag, Herr Weinke.
Weinke:
Guten Tag, Herr Bürgermeister.
Busch:
Kommen Sie, setzen wir uns. Also, wenn ich Sie richtig verstanden habe, Herr Weinke,
dann ist es höchste Eisenbahn. Sie kriegen die Abwässer nicht mehr hin.
Weinke:
Das kann man wohl sagen. Mit der jetzigen Anlage packen wir's kaum noch. Und wir
überschreiten immer häufiger die gesetzlichen Grenzwerte. Aber das wird noch schlimmer
Herr Busch. Im nächsten Jahr sind doch die Häuser im Neubaugebiet am Nordhang fertig,
und dann noch die neue Wohnsiedlung draußen am Sportplatz und die
Gewerbeansiedlung.
Busch:
Ja,ja, ich weiß. Ich hab' mir noch 'mal extra die alten Akten über den Bau der Anlage
rausgesucht. Die Planer hatten damals, vor zwanzig Jahren, mit maximal 10.000
Einwohnern gerechnet. Und heute haben wir schon gut 12.000 - ohne die Neubaugebiete.
Weinke:
Ja, genau das ist das Problem. Uns bleibt nichts anderes übrig. Wir müssen schleunigst eine
größere Kläranlage bauen. Vor allem mit Blick auf 1998.
Busch:
Mit Blick auf 1998? Was meinen Sie denn damit?
Sprecherin:
1998 treten in Deutschland die Vorschriften zur sogenannten Dritten Reinigungsstufe in
Kraft. Dann müssen die Kommunen das Abwasser noch gründlicher reinigen.
Sprecher:
Wie's die Deutschen mit ihrem Wasser halten sollen, das ist im Wasser-Haushaltsgesetz
festgeschrieben, das 1960 verabschiedet wurde und für die gesamte Bundesrepublik gilt.
Seitdem wurde es mehrfach überarbeitet - und das heißt: Die Vorschriften wurden immer
strenger. Sigurd van Riesen ist Hauptgeschäftsführer der Arbeitstechnischen Vereinigung,
dem führenden Verband der Abwasser- und Abfallwirtschaft:
Sigurd van Riesen:
Die Kläranlagen sind seit 1979 immer wieder ausgebaut worden. Wir hatten fünfmal
Veränderungen der Mindestanforderungen. Das bedeutet für die Kläranlage ganz konkret,
dass das Belebungsbecken sich um das Vierfache vergrößert hat aufgrund der verschärften
Anforderungen und dass sich das Nachklärbeckenvolumen verdoppelt hat in der
Zwischenzeit durch die höheren Anforderungen.
Sprecherin:
In der dritten Reinigungsstufe soll vor allem der Anteil an Phosphor und Stickstoff im
Abwasser verringert werden. Dafür muss ein zusätzliches Belebungsbecken gebaut werden.
Mikroorganismen entziehen hier dem Wasser die schädlichen Substanzen. Bisher erfüllen
aber erst wenige Gemeinden die geforderten Grenzwerte für Stickstoff. Sigurd van Riesen:
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Sigurd van Riesen:
90 Prozent der Kläranlagen erfüllen schon jetzt die Anforderungen an die
Phosphorelimination. Wir stellen aber fest, dass bezüglich der Stickstoffelimination, und
das ist der teurere Teil, denn da muss Beckenvolumen geschaffen werden, wir erst ca. ein
Drittel dessen geschafft haben, was also zu machen ist.
Sprecherin:
Zwei Drittel der Kläranlagenbetreiber in Deutschland müssen also ihre Kläranlagen
vergrößern, wenn sie die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte für Stickstoff einhalten
wollen. Das übliche Verfahren ist der Bau eines weiteren Beckens - eine teure
Angelegenheit, die mehrere Millionen Mark kostet. Einige Unternehmen, die sich mit
Umwelttechnik befassen, haben Alternativen entwickelt.
Sprecher:
So zum Beispiel die Firma Messer-Griesheim aus Krefeld. Messer-Griesheim bietet das
sogenannte Biox-N-Verfahren an. Dabei wird reiner, also 100%iger Sauerstoff eingesetzt.
In unserer Atemluft beispielsweise liegt der Sauerstoffanteil nur bei etwa zwanzig Prozent.
Zu der Anlage für das Biox-N-Verfahren gehören ein Sauerstoff-Tank, eine Messstation, die
den Sauerstoffzufluss regelt und die Qualität des Abwassers überwacht sowie schließlich
spezielle Schläuche und Leitungen, die vom Tank in das Belebungsbecken führen. Silke
Römer, Marketingleiterin für den Bereich Umwelttechnik bei Messer-Griesheim, erklärt das
Verfahren:
Silke Römer:
Beim Biox-N-Verfahren tragen wir statt normaler Luft Sauerstoff in die Becken ein. Das hat
den Vorteil, dass die Reinigungsprozesse der Bakterien intensiviert werden und wir die
größere Reinigungsleistung auf einem kleineren Beckenvolumen realisieren können.
Dadurch gewinnen wir Beckenvolumen für die dritte Reinigungsstufe und müssen eben
entsprechend die Kläranlage nicht baulich erweitern.
Sprecher:
Messer-Griesheim bietet seine Anlagen unter finanziell günstigen Bedingungen an:
Silke Römer:
Unsere Kunden müssen die Anlage nicht kaufen, sondern können sie mieten. Das hat für
unsere Kunden den Vorteil, wenn sie in fünf oder zehn Jahren die Kläranlage vielleicht
doch noch ausbauen wollen, dass sie nicht auf einmal 'nen Tank haben, den sie nicht mehr
nutzen können.
Sprecherin:
Von der Größe der Anlage hängt ab, wie hoch die einmaligen Umrüstungskosten sind und
wie viel die Kommune laufend für die Miete und Wartung der Anlage zahlen muss. Hinzu
kommen die Kosten für den Sauerstoff, den die Anlage benötigt.
Silke Römer:
Wir haben in den letzten Jahren, das heißt seit Anfang der 90er Jahre, ungefähr dreißig
Projekte realisiert. Das sind ganz unterschiedliche Kläranlagen gewesen, sowohl kleine
Kläranlagen für 10.000 Einwohner bis hin zu Anlagen, die für eine Million und mehr
Einwohner ausgelegt sind.
Musik
Busch:
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